Ein Versuch Mordor zu erobern … die Naturgewalten und Tama Mahuti die Wurzel des Lebens
Oktober 24, 2007

Etwas treibt mich schon seit meiner Ankunft in Auckland, verfolgt mich in den Traumen und klingt wie ein Ruf der mich lockt die Stadt zu verlassen … ein Ruf aus den Bergen und den Hoehen wo Mordor seinen Ursprung hat … Die Tage in Elronds Haus brachten viele Nachrichten aus den umliegenden Regionen, Orks haben sich aufgemacht die friedlebenden Voelker unter ihre Kontrolle zu bringen, aber das ist eine andere Geschichte …
Ich muss in die Berge um die Ruhe mit neuer Energie zu versorgen und zu mir selber zu kommen … der Zufall gibt mir ein Fahrzeug um die Reise durch das Land anzutreten …
Ich brauch ein bischen um mich zu loesen, wie es so Ballungsraume so an sich haben und dann bin ich auf dem Weg, raus aus den letzten Siedlungen und rein in die verschlungenen Pfade ueber die Huegel des Nordlandes … Ich fahre lange ueber die flachen Gegenden und um mich herum heben sich die ersten kleinen Bergansammlungen am Horizont auf …
Die meisten Staedte und Doerfer haben wahrlich nichts anziehendes in diesem Land dafuer sind die Regionen dazwischen umso beeindruckender … ich komme in die ersten bergigen Bezirke und mache an jeder Station halt an der sich mir ein Ausblick ueber die Landschaft bietet, folge irgendwann einem Schild das mir interessant erscheint und parke das Auto am Strassenrand um ein wenig umher zu laufen … ein guter Ort fuer den ersten Walk … ein kleiner Pfad fuehrt in ein Waldstueck hinein und nach kurzer Zeit habe ich einen weiten Blick ueber ein Tal durch das sich hellblau-gruen schillernd der Waikato River schlaengelt.
Ein paar Kilometer folge ich dem Flusslauf entlang auf einem schmalen Weg der sich an den Haengen auf und ab zieht. Vorbei an Stromschnellen, einem Wasserfall durch Dickicht voll Pflanzen die mir groesstenteils unbekannt sind und immer lauschend den unbekannten Vogelgerauschen in den Aesten ueber mir.

Aufgewaermt durch die starke Sonne treibt es mich weiter Richtung Sueden durch immer mehr Huegel und Berge.
Irgendwann geht es Abwaerts auf eine riesige Wasserflaeche zu, der Taupo Lake einer der groessten Seen in Neuseeland erstreckt sich bis an den Horizont. Der Wind peitscht schaumende Wellen auf und ein brausen liegt in der Luft als ich einen Halt mache um die frische Luft in mich einzusaugen. Am Horizont brechen durch die schwarzen Wolkenfronten die Siluetten der Gebirge im Tongariro National Park (besser bekannt als Mordor) Schleier aus fallenden Regen malen Vorhaenge hinter die durch die Sonne schillernde Wasseroberflaeche – wie ein hell lechtendes Band zieht sich dieses Lichtspiel zwischen die schaumenden Wellen und dunklen Wolken.
Als ich wieder zum Auto zurueck kehre steht mir ein zitternder Hund gegenueber, mit seinem grossen Kopf und abgemagert sieht er Golumn ein wenig aehnlich.
Lange muss ich nicht ueberlegen wie ein Hund auf einen Rastplatz so weit ab vom naechsten Dorf gelangt. Ich ueberlege was ich ihm geben kann – da ich gar kein Fleisch mehr esse sieht es schwer aus mit Fett – innerhalb weniger Minuten hat er fast einen ganzen Leib von dem Knautschbrot hinunter geschlungen das hier unter dem Begriff Koernerbrot verkauft wird. Einem Camenbert als Fettgrundlage gibt’s noch obendrauf, das war mein Abendbrot mehr hab auch ich nicht dabei. Die bitte in seinen Augen ist so gross das ich mich entschliesse ihn bis zur naechsten Siedlung mitzunehmen, mehr kann ich nicht fuer ihn tun. Zumindest hat er hier die Chance ein neues Zuhause zu finden, mit seinen Augen duerfte ihm das nicht schwerfallen.
Die Strasse folgt Serpentinen direkt am See entlang, enge Kurven und weite Blicke ubers Wasser. Doch lange haelt der Blick nicht an, ich fahre mitten in die Wolkenfront hinein und mich umgibt nur noch grau und spruehender Dunst. Einzig an der steiler werdenden Strasse erkenne ich das in die Hoehen geht. Irgendwann bleib ich etwas deprimiert am Strassenrand stehen, wahrlich kein Wetter fuer den Tongariro Cross den ich mir fuer den naechsten Morgen vorgenommen habe. Ein Walk durch Kraterlandschaften, aktive Vulkane, Felsige Gebirge, Seen mit schillernder gruener und blauer Farbe sollen mich dort erwarten und so mancher hat mir vorher begeistert von der einzigartigen Landschaft berichtet. Jetzt seh ich noch nicht einmal die maechtigen Berge die ganz in meiner Naehe sind. Ich verliere nicht ganz den Optimismus und entscheide mich die Nacht an einem guten Platz in den Bergen abzuwarten mit der Hoffnung das der Morgen Sonne bringt.
Ich fahre an den Rand des Gebirges, wo ich auch die Grenze der Wolken erreiche und finde eine Stelle wo ich ueber das flache Vorland und den riesigen Taupo Lake schauen kann. Fast hyptnotisiert von dem Anblick verweile ich noch Stunden in den Gedanken, beobachte das Spiel aus Wolken, See, Inseln, Bergen und dem weniger werdenden Licht.

Zum ersten mal geht der Sternenhimmel der suedlichen Hemissphaere ueber mir auf und in Gedanken reise ich durch die vielen neuen Sternbilder die ueber mir am Himmel erwachen.
Ein tiefer Schlaf bringt mich durch die Nacht und ein leichtes tropfeln auf dem Autodach weckt mich am morgen aus den Traumen. Mein erster Blick schweift ueber den See und dann bricht auch schon die Sonne vom Horizont auf um dem Wasser seinen Morgenglanz zu geben.
Hinter mir im Gebirge haengen noch immer die dunklen Wolken doch wie um mich milde zu stimmen zieht sich ein grosser kraeftiger Regenbogen ueber den dunklen Hintergrund.


Ich hab die Hoffnung vielleicht die Regendecke doch noch durchbrechen zu koennen und folge wieder der Strasse durch den Nationalpark – erneut verschluckt mich das grau das diesmal wenigstens ab und zu von der Sonne durchbrochen wird. Trotz allem scheint es mir zu zu riskant bei diesem Wetter auf 2000 m in die Berge zu wandern. Ich gebe mich der Natur und den Bergen gegenueber geschlagen, aber nicht ohne mir das versprechen zu geben bald wiederzukommen.
Auf gen Norden wo ich am morgen schon das gruene leuchten der Grasshuegel gesehen habe und wo die Sonne mehr zu sagen hat als die Wolkenwaende.
Die naechsten hundert Kilometer Fahrt entschaedigen mich fuer den verpatzten Bergwalk. Was wie ein Flug kommt mir die Fahrt durch die Grasshuegel vor, weiß gepunktet durch die zotteligen Schaafe die mittlerweile in alle Richtungen zu sehen sind. Hier scheint das Land der Hobbinge zu sein. Malerrisch fast zu perfekt erstreckt sich die Landschaft um mich herum. Ich laufe ein paar Stunden die Huegel auf und ab, setzte mich keuchend neben ein paar Schaafe und geniesse die waerme auf der Haut.

Wenn es schon nicht die Berge sind dann auf zum Meer denke ich und schlage den Weg Richtung Kueste ein. Mehr als zwei Jahre ist es wohl her das ich an einer Kueste sein konnte (die halbe Stunde Ostsee im Juni Unterschlag ich jetzt mal) und erst am Strand selber realisiere ich welch unglaubliche Kraft und magische Seele von den weiten des Wassers ausgehen. Ein kleiner Kuestenort, das bisher schoenste Dorf das ich gesehen habe, ein steiler Weg abwaerts, durch zwei Huegel durch und stuermische Luft, salziger Wind schlaegt mir entgegen. Die Wellen sind gigantisch und uebertreffen alles was ich bisher an Wassergewalt gesehen habe. Meterhoch Tuermen sich die Wasserberge vor der Kueste und weiss schaumend brandet das Nass uber die weiten Flaechen des Strandes.
Die Kueste entlang ziehen sich hohe Klippen, absolute Einsamkeit und leere, ein unglaublich schoner Kuestenstrich und kein Mensch zu sehen.
Nur hin und wieder ein paar Sandcruiser die den Strand entlang in der ferne verschwinden. Ich laufe eine Ewigkeit immer weiter und werd fast trunken durch den Anblick und die Luft.

Seeanemonen vom Sturm angespuellt liegen mir zu Fuessen und es ist fuer mich wie ein Blick in eine andere unbekannte Welt – fuer sie bedeutet es das Ende. Sie recken sich noch und die Muschelkoepfe gehen auf und zu, in der Erwartung erneut vom Wasser umspuellt zu werden.

Ans Badengehen ist ueberhaupt nicht zu denken – jede Welle die sich vor meinen Augen bricht fordert ihren Respekt ein und warnt geradezu davor mich in ihre Naehe zu begeben.
Ein weiteres mal gebe ich mich geschlagen ob der Naturgewalt, klettere auf die Klippen und lasse das Abendlicht ueber dem Meer versinken.

Aber auch das Meer wird mich nicht zum letzten mal gesehen haben.
Ich finde wieder einen Platz mit Ausblick, diesmal auf das schaumende Meer – Rolle mich in den Schlafsack und versinke in den Trauemen.
Die Berge, das Meer, die gruenen Huegel, was mehr kann ich in meinem Rausch nach Natur noch entdecken.
Ich mache mich auf zum aeltesten Lebewesen des Landes. Zu den Uhrriesen dieser Insel, den Ents in den Waeldern. Tane Mahuta – The Lord of the trees. Giganten im gruenen Dschungel des Nordlandes. Gruene Berghaenge ziehen sich an der Kueste entlang ehe ich in das Reich der Kauri Trees eintauche. Die Strasse versinkt in einem Schlauch der sich durch den Dschungel einen Weg bahnt und dem aeltesten dieser Baumriesen gilt mein erstes Ziel.

Tane Mahuta – ca. 2000 Jahre alt, der Stammumfang am Boden misst 17 Meter, 58 Meter reckt sich der Kolos in die Hoehe. Fuer die Maoris die Wurzel des Lebens von dem alles abstammt.
Schon der Pfad zum Lord of the trees gibt mir unzaehlige neue Bilder im Dickicht. Ein Wald der einem Dschungel naeher ist, mehr als 300 verschiedene Arten von Baumen und Farnen sind in den tiefen zu entdecken. Meine Blicke erhaschen nur eine Ahnung davon und sind vom Reichtum gaenzlich ueberflutet. Die ersten Waechter der Baumriesen sind schon beeindruckend, Tane Mahuta selber fordert durch seinen Anblick Achtung und Wuerde ein.
Diesmal ist es keine Naturgewalt die mich fast erstarren laesst, es ist die Achtung vor der Magie und Vielfalt des Lebens.
So maechtig diese Riesen anmuten so gefaehrdet ist doch ihre Existenz, es gilt den Pfad nicht zu verlassen – die Kauris spannen ein Netz aus duennen Wurzeln dicht unter der Oberflaeche des Waldbodens und wenn zu viele Menschen darueber laufen droht das Zusammenzubrechen ihrer Wasserversorgung und ein Riese stirbt.

Stunden verbringe ich in dem Wald, wieder ganz Einsam mit mir und der Natur um mich herum, erfuellt von der Vielfalt der Eindruecke.
Nach einer Stunde Lauf in den Wald komme ich in der Katedrahle an – einer Ansammlung von sieben Kauris in einer Senke. Ich setzte mich auf ein Plateuo zu ihren Fuessen, spiele auf der Floete die mir mein Vater mit auf die Reise gegeben hat und lauschen den Gerauschen des Waldes.

Von hier an geht es wieder zurueck. Ein langer Weg den ich geniesse mit mir und der Musik. Zureuck in Auckland und wieder meinen Aufgaben zugewand. Die Vielfaelltigkeit der Tage waren ein richtiger Start in die Schoenheit dieses Landes, auf meinen naechsten Ausfluegen werd ich mir mehr Zeit nehmen um einen Ort mit seinen Details erkunden.
Hallo Leo,
wann kommt der nächste beitrag?
unglaublich schöne bilder!
sehr schön geschrieben!
mehr leo!
grüße vom anderen ende der welt
ulf
[...] ist nicht der einzige, der sein Praktikum in Mittelerde macht! Auch wenn ich mit den Totensümpfen jetzt vielleicht nicht den ganz so schönen Teil [...]